Besuche beim Tierarzt

 

Ich besitze drei Hunde und drei Katzen die hier zusammen leben und sich wunderbar vertragen. Das habe ich ihnen so anerzogen. Anders geht es nicht wenn man hier auf einem Hof wohnt. Die sechs sind tolle Spielgefährten, tatsächlich ist es überaus lustig anzusehen, wenn die jungen Mausefänger meinen, sie könnten beim Ballspiel mit den Hunden mitmischen.

 

Für meine Vierbeiner habe ich sehr gute Tierärzte zu denen ich großes Vertrauen habe. Aber ich hasse Tierarztbesuche. Zum einen, weil es in diesem Fall einem meiner Tiere nicht gut geht. Zum anderen, die Zeit im Wartezimmer der Kleintierärzte ist alles andere als angenehm.

Dort warten sich fremde Hunde und Katzen gemeinsam darauf, dass sie den Ort der Aufregung, der fremden Gerüche, der Vorahnung auf Bedrohliches so schnell wie möglich wieder verlassen dürfen.

Ich versuche die Zeit so angenehm und stressfrei wie möglich hinter uns zu bringen.

Den Katzentransportkorb platziere ich dicht bei mir, so, dass die Katze mich sehen kann und weiß, ich bin da. Die Hunde an der kurzen Leine ebenfalls bei Fuß an meinem Stuhl.

Soweit alles in Ordnung. Viele Heimtierbesitzer handhaben es ebenso.

Dann gibt es aber noch diejenigen, für die der Tierarztbesuch mit ihrem Hund etwas Abwechslung in den Hundealltag bringen soll. Die Leine wird meterlang gelassen, damit Snoopi auch mal eben jedem anderen warten Hund freundlich Nase an Nase hallo sagen kann. Dann werde ich schon nervös. Niemals würden meine Hunde in einer Ausnahmesituation wie in einem Wartezimmer völlig fremde Tiere auf sich und mich zu stürmen lassen und das ganze Schwanz wedelnd über sich ergehen lassen. Nein, dann wird gekläfft und aufgesprungen. Statt der Tierbesitzer jetzt sieht, oh, bei diesem Hund vielleicht lieber nicht, macht man sich über das Gebell lustig. „ Snoopi tut nichts, keine Angst“ höre ich lachend. Okay, woher weiß man aber, dass meine Hunde nichts tun? Und ob wir die wilde Nähe mögen? Man fühlt sich natürlich sehr sicher, denn meine Hunde sehen alles andere als gefährlich aus und sie sind angeleint.

Vielleicht liegt es an der Erziehung bei der ich etwas falsch gemacht habe. Aber meine Hunde wollen einfach keine fremden Hunde. Auf neutralem Gebiet, einer Wiese z.B. geht das in Ordnung, Aber auf unserem privatem Grundstück welches sie großherzig „bewachen“ oder der Tierarztpraxis geht es eben nicht. Warum kann man keine Rücksicht darauf nehmen um Ruhe im Wartezimmer zu haben? Immer und immer wieder springt Snoopi auf uns zu und Frauchen lacht und schüttelt den Kopf wenn meine doggies toben. Für mich und meine sehr alte Hundedame Stress pur. Man kann nur gehen und draußen warten. Diskutieren bringt meist nichts.

Die Begegnung der dritten Art hatte ich kürzlich. Gott sei Dank nur als Zuschauer, nicht als Betroffene. Wieder warteten meine 16 Jahre alte Hundedame und ich auf die Behandlung. Bei uns im Wartezimmer war außer uns noch eine junge Frau mit ihrer Katze.

Dazu gesellte sich eine alte Dame mit einem mittelgroßen, langhaarigen, sehr reichlich gefüttertem Hund. „ Komm, die Mama wartet hier mit dir! “ Der Hund sah die Katze im Körbchen und sprang wild bellend auf sie zu. „Oh“ sagte die Mama, „sieh mal Susi, ein Kätzchen“ und zu der erschrockenen Besitzerin gewandt „ wissen Sie, Susi mag keine Katzen. Zu hause im Garten jagt sie sie immer.“ Das Katzenkörbchen mit der wild fauchenden Mieze wurde noch weiter unter den Stuhl der Besitzerin geschoben und dann auf den Schoß genommen. Susi fand, das sei ein tolles Spiel, die Katze konnte sich ja nicht wehren in ihrem Käfig. Und schwups, sprang Susi an den Beinen der Katzenbesitzerin hoch um an das Körbchen zu gelangen. Mir blieb die Sprache weg. Ein freundliches „können Sie bitte Ihren Hund bei sich behalten“ wurde ebenso freundlich ignoriert.

 

Liebe Hundebesitzer, bitte seien Sie so lieb und denken nicht nur an sich und ihren Hund und an die Freude die er mit anderen hat. Die Tiere im Wartezimmer des Tierarztes haben vielleicht Angst, gerade Katzen vor Hunden. Tierarztbesuche, die Krankheit mit eventuellem Schmerz, ungewohnte Transporte im Käfig und fremde Tiere in dieser an sich schon unschönen Situation sind schon genug für manche Vierbeiner. Und fremde Katzen sind keine Spielgefährten für Ihren Hund. Ob und wann Kontakt gewünscht wird, haben allein die jeweiligen Tierbesitzer zu entscheiden.

Vielleicht hat Ihr Gegenüber ja auch eine ansteckende Erkrankung. :-))

Gina, 16 Jahre alt